Wenn das geliebte Hobby plötzlich Angst macht

Ein Sturz, ein Beinahe-Unfall oder auch nur ein plötzlicher Schreck und plötzlich ist nichts mehr so wie vorher. Wo früher Freude und Leichtigkeit waren, melden sich Herzklopfen, innere Anspannung und das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Viele Reiter:innen kennen diese Erfahrung. Nach einem Vorfall entsteht oft eine hartnäckige Angst, die das Reiten oder den Umgang mit dem Pferd erschwert oder sogar unmöglich macht.

Doch Angst ist, grundsätzlich betrachtet, kein Problem. Sie ist ein natürlicher Schutzmechanismus, der uns warnt und auf Gefahren vorbereitet.
Das tatsächliche Problem entsteht erst, wenn die Angst zu groß wird und uns von dem trennt, was wir lieben. Sie blockiert, lähmt und verhindert, dass wir das, was wir eigentlich lieben, wieder genießen können.

Warum die Angst bleibt

Unser Unterbewusstsein speichert in jedem Moment die aktuellen Informationen aus allen Wahrnehmungen und verknüpft sie mit den zu diesem Zeitpunkt vorliegenden Emotionen. Und genau so ist es auch bei einem Sturz oder Schreckmoment. In diesem Augenblick werden die Sinneseindrücke besonders intensiv abgespeichert:

  1. Visuell vielleicht das Bild vom hochschreckenden Pferd oder vom Boden, der immer näherkommt
  2. Auditiv die knallende Stalltür, das Schnauben des Pferdes oder aufgeregte Stimmen von Umstehenden
  3. Kinästhetisch das Rutschen im Sattel, der Druck beim Aufprall oder das Zittern danach
  4. Olfaktorisch sogar der vertraute Geruch des Pferdes, des Sattels oder des Stalls

All diese Sinneseindrücke verschmelzen zusammen mit der Emotion (hier: Angst) zu einem starken Alarmsignal. Später genügt oft schon ein kleiner Auslöser, sei es ein Geräusch, eine Bewegung oder ein vertrauter Geruch, und das Unterbewusstsein reagiert, als würde der Vorfall erneut geschehen. Es ist ein bisschen so, als würde ein Rauchmelder nicht nur bei einem richtigen Feuer, sondern schon beim Anzünden einer Kerze lautstark losheulen.

Künftig genügt oftmals schon ein ähnlicher Reiz, und das System reagiert völlig automatisch:

  • Körperlich: Herzrasen, Schweißausbrüchen, innerer Unruhe und flacher Atmung
  • Gedanklich: „Was, wenn DAS wieder passiert?“
  • Verhaltensmuster man findet gute Gründe (Ausreden), um nicht mehr zu reiten, oder sich lieber auf das sogenannte Bodenpersonal beschränkt

Egal, was andere sagen, Angst ist niemals eingebildet. Sie ist immer real!
Sie ist eine Kombination aus der Programmierung des Unterbewusstseins und der Reaktion unseres Nervensystems. Sie ist eine Schutzfunktion, die in ihrer Entstehungssituation absolut notwendig und richtig war.

Viele Strategien versuchen Angst rational mit dem Verstand zu bekämpfen oder zu unterdrücken. Hypnose hingegen setzt genau dort an, wo die Angst verankert ist, im Unterbewusstsein. In einer Hypnosesitzung können die Schutzfunktionen herausgearbeitet und neu bewertet werden. Was „früher“ einmal notwendig war, kann heute dazu führen, dass ich leide.

Heute ist jeder Umgang, jedes Aufsteigen und jedes Reiten eine neue Situation. Die alte Schutzfunktion wird nicht mehr benötigt. Sie kann neutralisiert werden, ohne dass das System Schaden nimmt. Gleichzeitig lassen sich neue, positive Verknüpfungen aufbauen. Das bedeutet, dass das Unterbewusstsein wieder angemessen auf Reizsignale reagiert, das Vertrauen zum Pferd zurückkehrt, sowie Ruhe und Gelassenheit spürbar werden.

Hypnose ermöglicht es, die Angst nicht nur zu kontrollieren, sondern sie aufzulösen und das Erleben mit dem Pferd neu zu gestalten. Die alten Muster werden durch innere Bilder von Sicherheit, Vertrauen und Leichtigkeit ersetzt. Schritt für Schritt entsteht ein neues inneres Erlebnis, in dem Reiten oder der Umgang mit dem Pferd wieder Freude und Gelassenheit bringt.

Typische Ziele der Hypnose-Arbeit

Die Arbeit mit der Angst zielt darauf ab, die emotionale Verknüpfung „Dieses oder Jenes ist gleich Gefahr“ aufzulösen. Viele Betroffene reagieren auf kleine Reize unverhältnismäßig stark und verlieren dadurch Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten. Hypnose hilft, das Unterbewusstsein neu zu justieren, Ruhe und Sicherheit zu verankern, das Selbstvertrauen zu stärken und mentale Bilder von Kontrolle und Freude zu schaffen.

So entsteht nach und nach ein neues inneres Erleben: Ich bin ruhig, gelassen und sicher und kann die Zeit mit meinem Pferd wieder bewusst genießen. Die Wiederherstellung von Vertrauen, Freude und Selbstsicherheit im Sattel bzw. am Pferd ist das zentrale Ziel der Arbeit.

Kleine Notfall-Hilfen für den Alltag

Natürlich ersetzt nichts eine gezielte Hypnose- oder Therapiearbeit. Es gibt jedoch erste Schritte, die den Kreislauf der Angst unterbrechen und sofort Erleichterung bringen können.

Vertraue Deinem Atem
Schritt 1: Lege eine Hand auf den Bauch
Schritt 2: atme bewusst vier Sekunden ein (langsam innerlich bis 4 zählen)
Schritt 3: halte kurz inne
Schritt 4. atme sechs Sekunden aus (wieder langsam innerlich zählen) Achte darauf, dass sich Deine Hand auf dem Bauch mit Deiner Atmung hebt und senkt. Wiederhole dies einige Male. Diese Technik signalisiert dem Körper, dass alles sicher ist, beruhigt Herz und Gedanken gleichermaßen und kann akute Angst deutlich reduzieren.

Der Bodenanker
Schritt 1: Wenn die Angst hochkommt stelle beide Füße fest auf den Boden
Schritt 2. spüre den Boden unter Deinen Füßen
Schritt 3: atme tief in den Bauch ein und aus und sage innerlich: „Hier und jetzt bin ich sicher.“ Dieser kleine Trick hilft, die Spirale von Angstgedanken zu unterbrechen und den Körper zurück ins Hier und Jetzt zu holen.

Warum es sich lohnt, die Angst anzugehen


Viele Reiterinnen und Reiter hoffen, dass die Angst von alleine verschwindet oder versuchen, sie zu unterdrücken. Leider verstärkt Vermeidung das Problem. Wer den Mut aufbringt, sich der Angst zu stellen, gewinnt nicht nur Vertrauen zum Pferd zurück, sondern auch mehr innere Stärke und Gelassenheit, die sich auf andere Lebensbereiche übertragen lässt. Angst ist ein Signal und kein Urteil. Sie zeigt an, dass etwas verarbeitet werden will.

Angst nach einem Vorfall mit dem Pferd ist keine Schwäche!
Sie ist eine nachvollziehbare Reaktion des Unterbewusstseins und unseres Nervensystems. Problematisch wird sie erst, wenn sie den Zugang zu unserem Pferd dauerhaft blockiert.

Dir kann geholfen werden, alte Muster aufzulösen, Vertrauen und Freude zurückzugewinnen und wieder Leichtigkeit mit Deinem Pferd zu erleben. Kleine Selbsthilfeschritte wie sich zu erden, oder ganz bewusst zu atmen, können erste Veränderungen bewirken und den Weg zu langfristigem Erfolg ebnen. Wer den Mut aufbringt, sich der Angst zu stellen, findet nicht nur zurück zu Pferd und Sattel, sondern oft auch zu mehr Selbstvertrauen und innerer Gelassenheit.

Über den Autor

Marco Jentsch

ist ein erfahrener und zertifizierter
Hypnose Master, NLP & Neuroscience Coach
und Dein passender Ansprechpartner, wenn es
darum geht mentale Herausforderungen zu
meistern.

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